ACC Amberg

Interview mit Erika Sauerwein

"Unser Erfolgsgeheimnis sind die Mitarbeiter"

Hier geht es zum Interview
von Chefredakteur Thomas P. Scholz, Magazin mep und Frau Erika Sauerwein, Geschäftsführerin Amberger Congress Centrum
 

Nachfolgend finden Sie das komplette Interview abgedruckt:

 

Vor rund einem Jahr hat Erika Sauerwein (ES) die Geschäftsführung im Amberger Congress Centrum, kurz ACC, übernommen. Zeit für eine erste Einschätzung der Gesamtlage. Zur Ortung: Amberg (42.000 Ew.) liegt eine knappe Autostunde (70 km) östlich von Nürnberg und ist über die A6 gut erreichbar. Weitere Vorteile offenbart das mep-Interview, das Thomas P. Scholz führte.


mep: Frau Sauerwein, seit der Eröffnung 1996 hatte das ACC nur drei Geschäftsführer/innen. Sie sind seit kurzem die vierte. Wie lässt sich diese beachtliche Kontinuität erklären?
ES: Diese Kontinuität lässt sich nicht nur bei der Geschäftsführung beobachten, sondern auch bei den Mitarbeitern/innen. Wer hier anfängt bleibt im Schnitt ca. 10 Jahre oder auch länger. Wir haben hier ein besonders gutes Arbeitsklima. Zusätzlich ist Amberg eine sehr lebens- und liebenswerte Stadt, was auch wichtig für eine lange Bindung zum Unternehmen ist.


mep: Sie haben ein insgesamt schon gut geführtes Haus übernommen. Wo möchten Sie künftige Schwerpunkte – etwa auch im Bereich Kommunikation/Social Media – setzen?
ES: Das soll natürlich auch so bleiben. Allgemein liegen die Schwerpunkte in Veranstaltungen, Vermarktung, Gastronomie und Modernisierungen. Im Bereich Kommunikation/Social Media habe ich z.B. eine neue freie Mitarbeiterin eingestellt, die uns hier unterstützt, da das Thema immer zeitintensiver wurde. Sie wurde mit unserer CI vertraut gemacht und arbeitet in enger Abstimmung mit unserer Marketingabteilung. Instagram ist ein zusätzliches Medium geworden, über das sich viele informieren. Wir sehen hier die Möglichkeit, mehr Personen anzusprechen. Unsere Kunden profitieren hiervon natürlich auch, da sie jetzt zusätzliche Werbeeinheiten erhalten.


mep: Vor allem Gäste von weiter her sind auch herzlich willkommen…
ES: Ein eigenes Kongresshaus ist immer positiv für die Wertschöpfung einer Stadt und somit auch für die Stadt Amberg. Schon immer haben wir Kunden und Gäste aus ganz Deutschland und darüber hinaus bei uns begrüßen dürfen. Das ACC agiert als Ort der Begegnung für Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Bildung und Gesellschaft.

 

mep: Welche Vorteile können Sie Veranstaltungsplanern bieten?
ES: Unser Erfolgsgeheimnis sind die Mitarbeiter. Der Vorteil ist, dass jeder Veranstalter seinen persönlichen Ansprechpartner hat, der ihn von Anfang bis zum Schluss begleitet. Er kann Planung, Gastronomie und Technik mit einer Person absprechen, was die Abstimmung erleichtert und Zeit erspart. Wir sind sehr dienstleistungsorientiert, legen viel Wert auf einen schnellen Austausch mit dem Kunden und gehen auf alle Wünsche individuell ein. Zum anderen haben wir ein modernes Haus, in das stetig in Technik und Ausstattung investiert wird. Zusätzlich liegen wir zentral, aber trotzdem im Grünen. Direkt neben uns befindet sich das ehemalige Landesgartenschaugelände und die Altstadt ist fußläufig in fünf Minuten erreichbar. Auch die Infrastruktur ist nahezu perfekt. Direkt am ACC stehen ausreichend Parkflächen zur Verfügung und der Bahnhof sowie die vielen Innenstadthotels sind in wenigen Gehminuten zu erreichen. Amberg liegt außerdem zwischen Nürnberg und Regensburg und ist gut an die Autobahn angebunden.

 

mep: Als wichtiges Ziel nennen Sie "die Auslastung sichern und noch erhöhen". Wie viele Veranstaltungen zählen Sie im Schnitt pro Jahr und wie könnte man noch mehr schaffen?
ES: Vor der Corona-Pandemie hatten wir über 300 Veranstaltungen im Jahr, was für uns nahezu eine Vollauslastung bedeutete, und so über 70.000 Besucher generiert. Seit Beendigung der pandemischen Maßnahmen können wir einen kontinuierlichen Anstieg beobachten. Wir haben viel Wert daraufgelegt, den Kontakt mit unseren Stammkunden aufrechtzuerhalten. Erfreulich ist auch hier, dass alle zurückgekehrt sind! Auch wenn während der Pandemie die Veranstaltungen nicht so umgesetzt werden konnten, haben wir uns angepasst und weiterhin das Haus beworben. Wir haben dafür gesorgt, nicht vergessen zu werden. Das Jahr 2023 konnte schon an die positiven Jahre vor Corona anknüpfen. Nun möchten wir wieder die Auslastung von 2019 erreichen. Abzuwarten ist hier allerdings die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

 

mep: Nach 25 Jahren mit einem eigenen Restaurant und demselben Pächter stemmen nun drei Caterer die Verpflegung. Bis zu welchen Kapazitäten ist eine Versorgung inhouse möglich?
ES: Wir haben unser Konzept an die neuen Gegebenheiten angepasst und werden durch unsere drei neuen Gastronomie-Partner Iventwerkstatt, Genussreich Weber und Robert’s Trattoria tatkräftig unterstützt. Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend und was besonders schön ist: Wir können genau die gleichen Leistungen wie vorher anbieten. Egal ob es sich um einen Ball mit 400 Personen oder einen Parteitag mit 250 Personen handelt, alles ist umsetzbar, solange es die räumlichen Gegebenheiten ermöglichen. Wir können von der Kaffeepause über Flying Buffets, 3-Gang-Menüs bis hin zum großen Galabuffet jegliches anbieten und so auf sämtliche Kundenwünsche eingehen.


mep: In Zeiten des Fachkräftemangels kommt der Sicherung bzw. Bindung der Personalressource besondere Bedeutung zu. Welche Maßnahmen haben Sie sich hierzu vorgenommen?
ES: Wer Leistung will, muss auch Sinn bieten. Und das ist in Zeiten des Fachkräftemangels noch wichtiger geworden. Wenn wir den Schlaf abziehen, arbeiten wir eigentlich die Hälfte unseres Lebens. Mir persönlich ist auch wichtig, dass ich einer Arbeit nachgehe, die mir Freude bereitet und Sinn bietet. Ich finde es wichtig, Botschaften zu überbringen, die Mitarbeiter mitzunehmen, transparent zu arbeiten und ihnen auch die Möglichkeiten zu geben sich einzubringen. Ich glaube, im ACC kann jeder sein „Warum arbeite ich“ positiv beantworten. Wir machen regelmäßige Besprechungen, sind im Austausch, es gibt jetzt jährlich zwei Versammlungen mit allen Mitarbeitern,und vor kurzem hatten wir auch einen Brainstorming-Tag. Und ich denke, um neue Mitarbeiter zu finden, ist die Werbung durch die eigenen Mitarbeiter sehr wertvoll. Wenn sie positiv über ihren Arbeitsplatz sprechen, wird das nach außen getragen. Wertschätzung und Lob sind auch sehr wichtig geworden. Ich fände es fatal, Mitarbeiter nur einmal im Jahr beim Feedbackgespräch zu loben. Sobald sie/er etwas besonders gut gemacht hat, erhält er/sie auch sofort die Anerkennung. Wir haben hier im ACC ein tolles Team und ich bin dankbar für jeden Einzelnen.


mep: Die Optimierung von Arbeitsprozessen durch Digitalisierung oder gar KI ist ein weiteres Stichwort. Wie weit sind Sie da - auch im Hinblick auf die mögliche Gewinnung von freien Kräften für neue Wertschöpfung?
ES: Wir arbeiten bereits viel digital, wollen dies aber noch erweitern. Für 2025 sind z.B. E-Akten eingeplant und die Einführung eines „Workflows“ sowie digitale Unterschriften. Diese Maßnahmen sollen den Arbeitsaufwand reduzieren, Papier und Platz einsparen. Mit der KI arbeiten wir noch nicht, da es noch zu viele Unsicherheiten mit der Datenverarbeitung gibt. An sich könnte ich mir aber gut vorstellen, dass die KI Routinearbeiten wie das Erstellen von Statistiken oder Protokollen übernehmen könnte, um so mehr Zeit für Kreativarbeiten zu ermöglichen.


mep: Sie möchten zum Thema Eigenveranstaltungen "einen Fuß in alle Bereiche setzen"…
ES: Das ACC hat schon immer ausgewählte Eigenveranstaltungen wie z.B. die 9-wöchigen Kunstausstellungen mit Begleitprogramm durchgeführt. Das Spektrum soll noch erweitert werden. Wir starten mit dem „Größten Whiskyabend in der Oberpfalz“ (23. März 2024, Anm. d. Red.). Die Sommer-Events auf unserer Sonnenterrasse gehören ebenfalls dazu. Geplant sind auch neue Formate im Kultur-, Tagungs- und Messebereich. Unser Anspruch ist Qualität vor Quantität, deshalb benötigt dies noch etwas Zeit in der Umsetzung. Alles Step by Step.

 

mep: In Amberg gab es 2023 mit "Das Bootshaus" und "Mariandl am Berg" (in der City!) zwei interessante Hotel-Neueröffnungen. Können Sie diese hier kurz beschreiben?
ES: Beim Bootshaus ist die Geschichte dahinter besonders. Es ist aus 5 alten Häusern entstanden, die miteinander verbunden wurden. Es sind Zimmer, die mit viel Liebe und Ideenreichtum errichtet wurden. Außerdem liegt das Bootshaus direkt an der Vils und besitzt eine Terrasse über dem Wasser. Es ist ein guter Ort zum „Anlegen“. - Das Mariandl am Berg durfte ich noch vor der Eröffnung besichtigen und ich hatte kurz vergessen, dass ich in der Altstadt bin. Die Zimmer sowie das gesamte Hotel sind exklusiv und alpenländisch gestaltet, man hat das Gefühl, als wäre man in den Bergen. In der Skybar hat man einen tollen Blick über die Stadt. Beide Hotels sind fünf Gehminuten vom ACC entfernt. Ich möchte aber noch hinzufügen, dass wir in Amberg im Allgemeinen sehr besondere Hotels haben und sich der Aufenthalt in jedem Einzelnen lohnt. Inzwischen haben wir in Amberg über 800 Betten.

 

mep: Haben Sie Tipps für Rahmen- bzw. Erlebnisprogramme after work - evtl. auch Public Events oder Kultureinrichtungen, deren Besuch lohnt?
ES: Die Amberger Altstadt gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Deutschlands und ist somit auf jeden Fall einen Besuch wert. Zum Kennenlernen würde ich persönlich eine Stadtführung mit Flussplättenfahrt inklusive Weißwurstessen empfehlen. Speziell für Tagungskunden bieten wir von Escape-Games über Segwaytouren bis zur Bierverkostung ein breites Erlebnisprogramm an. Über das ganze Jahr hinweg finden in Amberg ganz besondere Events statt, wie z.B. die Hexennacht, das Bierfest (mit sechs Amberger Brauereien), das Altstadtfest, das Mariahilfbergfest oder die Luftnacht.

 

mep: Ihre Prognose: Wo steht das ACC zum 30-jährigen Jubiläum in 2026?
ES: Zum 30-jährigen Jubiläum wird man dem ACC - und den Mitarbeitern - weiterhin das Alter nicht anmerken… Die Planungen, um das Jubiläum mit unseren Gästen und Kunden würdig zu feiern, laufen bereits.

 

mep: Frau Sauerwein, wir bedanken uns für das Gespräch.