Über- und Unterversorgung sind keine Randphänomene, sondern strukturelle Probleme moderner Gesundheitssystem. Eine unzureichende Anpassung medizinischer Entscheidungen an individuelle Risiken, an Effektstärken aber auch an Lebenssituationen und Präferenzen führt zu Fehlern in der Versorgung. Der Vortrag beleuchtet wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ausmaß, Ursachen und Treibern – von Fehlanreizen über diagnostische Unsicherheit bis hin zu veränderten Erwartungshaltungen von Patientinnen und Patienten sowie Behandlern. Er zeigt, warum mehr Medizin nicht automatisch bessere Versorgung bedeutet und wo Anpassungsdefizite zu Versorgungslücken führen. Diskutiert werden Lösungsansätze, die auf eine zeitgemäße Ausrichtung zielen: verbesserte Risikokommunikation, ein realistischeres Verständnis der Effekte medizinischer Interventionen und eine stärkere Orientierung an dem, was für Patientinnen und Patienten tatsächlich wichtig ist.
Dr. Susann Hueber ist Psychologin und leitet seit 2014 den Forschungsbereich am Allgemeinmedizinischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen. Nach ihrem Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg promovierte sie im Bereich Neurowissen- schaften. Zuvor war sie als Krankenschwester tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Versorgungsforschung, insbesondere beschäftigt sie sich mit der Identifikation und Vermeidung von Überdiagnostik und deren Folgen.
Einlass: 18.30 Uhr
Beginn: 19.30 Uhr
Eintritt frei
Veranstalter: Stadt Amberg / Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg




