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Friedensreich Hundertwasser - Lebensstationen

1928     
Geboren am 15. Dezember in Wien unter dem Namen Friedrich Stowasser als einziges Kind des Ingenieurs Ernst Stowasser und dessen jüdischer Ehefrau Elsa.

1929
Tod des Vaters

1935
In ersten Zeichnungen offenbart sich Hundertwassers kreatives Talent.

1936
Für ein Jahr Besuch einer Montessori-Schule in Wien. Im Zeugnis wird ihm ein „außergewöhnlicher Farben- und Formensinn“ attestiert.

1938
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich Zwangsumsiedlung zu Tante und Großmutter in die Obere Donaustraße.

1939
Wechsel auf eine öffentliche Wiener Schule und zum vermeintlichen Schutz der Familie Eintritt in die Hitlerjugend. Bereits vier Jahre vorher hatte die Mutter ihn „sicherheitshalber“ katholisch taufen lassen.

1943
Deportation und Ermordung von 69 jüdischen Angehörigen mütterlicherseits, darunter Tante und Großmutter. Unter schwierigsten Lebensbedingungen Weiterentwicklung der künstlerischen Begabung mit Naturstudien.

1948
Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, das er nach drei Monaten abbricht.
Ausstellung mi t Werken von Walter Kampmann, Egon Schiele und Gustav Klimt beeindrucken ihn nachhaltig.

1949
Aufnahme einer regen Reisetätigkeit. Dabei lernt Hundertwasser in Florenz den Maler René Brô kennen und folgt ihm nach Paris. Entwicklung eines erkennbar eigenen Stils und ab Juli Signierung seiner Werke mit dem Künstlernamen „Hundertwasser“ (von dem russischen  „Sto“ für 100.)

1950
Während seines Aufenthalts bei Rene Brô in Paris entstehen in gemeinsamer Arbeit zwei Wandgemälde in Saint-Mandé. Ein Kunststudium an der Ècole des Beaux Arts in Paris erkennt er bereits am ersten Tag als sinnlos und bricht es ab.

1948
Inspiriert durch Rene Brô gestaltet Hundertwasser von nun an seine Kleidung selbst. Ausgedehnte Reisen nach Nordafrika und Eintritt in den Art Club Wien, eine avantgardistische Vereinigung junger Maler, Bildhauer, Autoren und Musiker.

1952
Erste Einzelausstellung im Art Club Wien.

1953
Unter dem Eindruck des Dokumentarfilms „Images de la folie“ („Bilder des Wahnsinns“, 1950) von Enrico Fulchignoni malt Hunderwasser mit 163 DER BERG UND DIE SONNE – ERSTES SPIRALOID die erste Spirale, die ein zentrales Motiv seines Gesamtwerks wird.
Zweiter Aufenthalt in Paris und zweite Ausstellung im Art Club Wien. Der Katalogtext „Die gerade Linie führt zum Untergang“ für die Ausstellung im folgenden Jahr in Paris entsteht.

1954
Erste Ausstellung in Paris in der Galerie Paul Facchetti und erste Teilnahme an der Biennale in Venedig. Formulierung kunsttheoretischer Schriften zum „Transautomatismus“ und zu der „Grammatik des Sehens“.  Hundertwasser beginnt seine Bilder zu nummerieren.

1957
Kauf des Bauernhofs „La Picaudiére“ in der Normandie.
Mit dem Plakat 305 FRISCH GEFUNDENES LABYRINTH für eine Ausstellung in der Galerie H. Kramer in Paris erschafft Hundertwasser seine erste Lithografie. Bereits hier gestaltet er durch die manuelle Untermalung vor dem Druck jedes Blatt individuell.

1958
Heirat mit der 16-jährigen Herta Leithner in Gibraltar (Scheidung 1960)
Am 04. Juli Verlesung seines „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ bei einem Kongress im Kloster Seckau in Österreich.

1959
Mit Ernst Fuchs und Arnulf Rainer gründet Hundertwasser das „Pintorarium“ als universelle Anti-Akademie aller kreativen Richtungen. Ab September Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Nachdem die von ihm zusammen mit Bazon Brock und Herbert Schuldt initiierte Kunstaktion einer endlosen „Linie von Hamburg“ zu einem Skandal wird, legt er im Dezember seine Dozentur nieder.

1961
Aufenthalt in Japan für eine Einzelausstellung in der Tokyo Gallery.
Hundertwasser gelingt es als ersten Europäer, die Meister der japanischen Holzschnittkunst zur Zusammenarbeit zu überreden. Die Übertragung seines Vornamen „Friedrich“ in Friedereich“ zu ändern.
Er enthält den Mainichi-Preis auf der 6. Internationalen Kunstausstellung in Tokio.

1962
Ehe mit Yuko Ikewada (Scheidung 1966)
Erfolgreiche erste Retrospektive auf der Biennale in Venedig, dort malt Hundertwasser in einem eigenen Atelier auf der Guidecca. In Paris bei G. Leblanc werden Hundertwassers erste Radierungen, wie 522 DAS HAUS SIEHT EINEN MENSCHEN BRENNEN gedruckt, die Druckplatte radiert er noch eigenhändig.

1963
Erste Einzelausstellung in Deutschland in der Galerie Aenne Abels in Köln.

1964
Teilnahme an der Documenta II in Kassel und Erstellung eines ersten Werkkatalogs. Großer Erfolg mit einer Ausstellung in Stockholm, wofür er das autobiographische Essay „35 Days in Sweden“ verfasst.

1966
Ferry Radax produziert mit „Hundertwasser – Leben in Spiralen“ den ersten Dokumentarfilm über den Künstler. Hundertwasser arbeitet in La Picaudiére und Venedig.

1967
Als Teil einer Aktion des „Pintorariums“ in der Galerie Richard P. Hartmann in München hält Hundertwasser die „Nacktrede für das Anrecht auf die Dritte Haut“.
Die 1962 erworbene „Hahnsäge“ im Waldviertel/Österreich wird zu einem weiteren wichtigen Lebensort.

1968
In Wien „Nacktdemonstrationen gegen den Rationalismus in der Architektur“ und Verlesung des Manifests „Los von Loos. Gesetz für individuelle Bauveränderungen oder Architektur-Boykott-Manifest“.
In Venedig entwickelt Hundertwasser seine ersten Serigrafien (Siebdrucke). In den nachfolgenden Jahrzehnten wird er mit dem Einsatz von Metallfolienprägungen, fluoreszierenden Farben und weiteren Neuerungen die Kunst der Druckgrafik entscheidend weiterentwickeln.

1969
Hundertwasser segelt mit dem ehemaligen Salzfrachter „San Giuseppe T“ von Sizilien nach Venedig und lebt und arbeitet in den folgenden drei Jahren mehrheitlich auf diesem Schiff, während es dort zur „Regentag“ umgebaut wird. Er ändert seinen Vornamen in „Friedensreich“.

1970
Die zweijährige Zusammenarbeit zu den Dreharbeiten mit Peter Schamoni für den Film „Regentag“ beginnen, den Hundertwasser unter der Nummer 707 in sein Werkverzeichnis aufnimmt.

1971
Arbeit am Poster zu den olympischen Spielen in München und dem Portfolio „Look at It on a Rainy Day (Regentag)“ im Verlag Günther Dietz GmbH Offizin in Lengmoos.

1972
Abschluss des Umbaus der „San Giuseppe T“ zur „Regentag“.
Der Film „Regentag“ von Schamoni wird auf den Filmfestspielen in Cannes präsentiert. Veröffentlichung von Hundertwassers Manifest „Dein Fensterrecht – Deine Baumpflicht“. In der TV-Sendung „Wünsch Dir was“ wirbt er für Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung. Tod der Mutter.

1973
Das erste Portfolio mit japanischen Holzschnitten „Nana Hiaku Mizu“ entsteht.
Während der Triennale in Mailand werden ca. 15 „Baummieter“ durch Fenster in der Via Manzoni gepflanzt und Hundertwasser veröffentlicht das Manifest „Inquilino albero“ (Baummieter).
Weitere Reisen bis nach Neuseeland für eine Wanderausstellung, Hundertwasser ist von der Natur dort begeistert und erwirbt erste Grundstücke im Kaurinui-Tal auf der Nordinsel.

1974
Ausstellung des vollständigen grafischen Werks in der Albertina in Wien, die bis 1992 als Wanderausstellung in über 80 Museen und Galerien in 15 Ländern gezeigt wird. In Wien auch Beginn der Zusammenarbeit mit den Druckern Robert Finger und Wolfgang Raab in der Radierung, was ihn diese Technik künstlerisch entdecken lässt.

1975
Wohnsitz in Venedig, daneben Reisen mit dem Schiff „Regentag“ über den Atlantik und in den folgenden Jahren bis nach Neuseeland. Veröffentlichung des Manifests „Humus-Toilette“ und Entwurf der Briefmarke „Spiralbaum“, Initiierung der Briefmarken-Serie „Moderne Kunst in Österreich“. Die zweite Grafikmappe mit japanischen Holzschnitten „Midori No Namida“ erscheint.

1978
In Venedig Entwurf einer Friedensfahne für den Nahen Osten und Veröffentlichung eines Friedensmanifests. Dort auch Beginn der intensiven Zusammenarbeit mit dem Drucker Claudio Barbato in der Serigrafie, der Lithografie und bei Mixed-Media-Kombinationsdrucken mit dem Ziel durch Farb- und Formvariationen innerhalb einer Auflage jedes Blatt zum Unikat zu machen.

1979
Briefmarkendrucke in Österreich für die Republik Senegal und die Republik der Kapverdischen Inseln.
Der Österreichische Bundeskanzler Kreisky sendet die „Friedensfahne für das heilige Land“ und das „Friedensmanifest“ an Staatsoberhäupter des Nahen Ostens.
Verlesung seines Manifests „Die Scheißkultur – die heilige Scheiße“ in der Schweiz.

1980
Am 18. November findet der „Hundertwasser Day“ in Washington D.C. mit Baumpflanzungen auf dem Judiciary Square  statt, Übergabe des Anti-Atom-Plakats „Plant trees avert nuclear peril“ an Ralph Nader. Gestaltung des Umwelt-Posters „Arche Noah 2000“ für Deutschland.
Hundertwasser hält Reden über Ökologie, gegen Kernkraft und für natur- und menschengerechtere Architektur im US-Senat, in Berlin, Wien und Oslo.

1981
Verleihung des „Großen Österreichischen Staatspreises 1980“, Anlass für Hundertwassers Rede gegen die Kernkraft und über „Die falsche Kunst“. Es folgt die Verleihung des „Österreichischen Naturschutzpreises“.
Berufung zum Leiter der Meisterschule für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Rege Vortragstätigkeit.

1982
Als „Architekturdoktor“ gestaltet Hundertwasser die Fassaden der Rosenthal-Fabrik in Selb neu.
Entwurf der „Zungenbärte“ aus Keramik für das Rupertinum in Salzburg.
Entwurf des Plakats „Künstler für den Frieden“.
Während der Hundertwasser-Woche in San Francisco Übergabe der Plakate „Save the Whales“ und „Save the Seas“ an Greenpeace und an die Jacques-Cousteau-Gesellschaft.

1983
Entwurf von sechs Briefmarken für die Vereinten Nationen.
Grundsteinlegung des „Hundertwasserhauses“ in Wien.
Entwurf der Fahne „Koru – Entrollender Farn“ für Neuseeland.

1984
Mitarbeit auf der Baustelle für das „Hundertwasserhaus“ in Wien, wie auch in den Folgejahren.
Hundertwasser lebt in Neuseeland, Tahiti, Venedig und in der Normandie.
Während seiner aktiven Teilnahme an den Aktionen zur Rettung der Hainburger Au in Niederösterreich zerreißt er aus Protest vor laufender Kamera seinen Österreichischen Staatspreis.

1985
Ernennung zum „Officier de l´ordre des arts et des lettres“ in Frankreich.

1986
Übergabe des Hundertwasserhauses an die Mieter.
Der langjährige Freund René Brô stirbt.

1987
Veröffentlichung der Sonderbriefmarke „Cept Europalia“ in Österreich.
Entwurf für die Neugestaltung der Kirche St. Barbara in Bärnbach, Steiermark/Österreich und der Kindertagesstätte Heddernheim in Frankfurt a. M.

1988
Architektonische Planung und künstlerischer Entwurf für das Fernwärmewerk Spittelau, Wien. Mitdozent eines Lehrgangs für natur- und menschengerechtere Architektur an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg.
Hundertwasser erhält das „Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien“ sowie das „Ehrenzeichen des Landes Steiermark“.
Er arbeitet weiter an der Umgestaltung der Kirche in Bärnbach.
Zur Finanzierung entstehen Farbradierungen.
Im September kann die Kirche in Bärnbach eingeweiht werden.

1990
Hundertwasser arbeitet an verschiedenen Architekturprojekten: KunstHausWien; Einkaufszentrum Village, Wien; Raststätte Bad Fischau/Österreich; Agip-Tankstelle, Wien (nicht realisiert); In den Wiesen, Bad Sonden/Deutschland; Textilfabrik Muntlix, Winery Napa Valley, Kalifornien/USA.
Es entsteht die TV-Produktion „Hundertwasser in New Zealand, Island of lost desire“. Daneben rege Vortragstätigkeit.

1991
Fertigstellung und Eröffnung des KunstHausWien mit einer ständigen Hundertwasser-Ausstellung.
Er arbeitet weiter an Architekturprojekten: Ortsgestaltung von Griffen, Kärnten (nicht realisiert); Thermendorf Blumau in der Steiermark/Österreich; Innenhof der Wohnanlage in Plochingen/Deutschland.
Präsentation seiner Jetons für die Casinos Austria.
Er entwirft eine Kunst-Briefmarkenserie für Liechtenstein.

1993
Engagement gegen den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.

1995
Hundertwasser arbeitet am Thermendorf Blumau/Österreich und der Umgestaltung des Martin-Luther-Gymnasiums in Wittenberg.
Präsentation seiner „Hundertwasser-Bibel“.
Die dreijährigen Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Hundertwasser in Neuseeland“, wieder unter der Regie von Ferry Radax, beginnen.

1996
Einweihung des von Hundertwasser umgestalteten Donauschiffs „MS Vindobona“ in Wien.
Er erhält den „Tourismuspreis 1996“ der Wiener Wirtschaft.

1997
Erste Bauphase des Hügelwiesenlandes in Rogner-Bad Blumau und Umbauarbeiten am Martin-Luther-Gymnasium in Wittenberg.
Verleihung des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

1998
Hundertwasser-Retrospektive im Museum Mathildenhöhe in Darmstadt.
Zur Unterstützung der Bewaldung der Negev-Wüste gestaltet er das Plakat 967A UNTER BÄUMEN BIST DU ZU HAUSE.

1999
Hundertwasser lebt und arbeitet in Neuseeland.
Seine aktuellen Architekturprojekte sind Sludge Center, Osaka/Japan; Die grüne Zitadelle, Magdeburg; Bahnhof in Uelzen/Deutschland; Mitarbeit am Umbau der Kawakawa Public Toilet in Neuseeland.
Er verfasst ein Manifest gegen die Gen-Manipulation und gestaltet einen Entwurf für das Layout seines „Catalogue Raisonné“.

2000
Hundertwasser verfasst Kommentare für den „Catalogue Raisonné“.
Er stirbt am 19. Februar an Herzversagen an Bord der „Queen Elizabeth 2“ auf dem Weg von Neuseeland nach Europa.
Hundertwasser wird im „Garten der glücklichen Toten“ auf seinem Land in Neuseeland begraben.
Auf seinem Grab wächst nun ein Tulpenbaum.